Gebührender Abschluss der 8. Bonner Woche der Kulturen mit der 7. POETRYpolis

12. Dezember 2014 | Kategorie: Artikel

Ein Bericht von Marcel Sommer

„Heimweh & Fernweh“: Begriffe, die jedem etwas sagen, mit denen jeder etwas in Verbindung bringt, die bei jedem ein Gefühl wecken. Lösen diese beiden Wörter das selbe Empfinden aus oder stehen sie gegensätzlich zueinander? Existieren Heimweh und Fernweh schon seit jeher oder sind es Begriffe der heutigen Globalisierung? Wie sich zeigt, gibt es genug Ansätze und Interpretationsmöglichkeiten, um sich mit den Begriffen auseinander zu setzen.

Die TeilnehmerInnen der 7. POETRYpolis drückten ihre Gefühle zu den Begriffen „Heimweh & Fernweh“ lyrisch aus und präsentierten diese einem gespannten Publikum.

12 Vorträge von 11 TeilnehmerInnen in 9 unterschiedlichen Sprachen: Dies zeigt einmal mehr, wie schön sich in Poesie kommunizieren lässt und wie wichtig das Medium Sprache für den kulturellen Austausch ist. Insbesondere das Thema „Heimweh & Fernweh“ ließ viele Vorträge auch von einer eigenen Reise, einer Migrationsgeschichte oder einer Zerrissenheit zwischen zwei Ländern erzählen. Um den Präsentationen folgen zu können, konnte man das Abendheft erwerben, in dem zusätzlich zu den anderssprachigen Gedichten die Übersetzungen in Deutsch zu finden waren.

René Deutschmann, der Moderator der Veranstaltung, sagte dass der Begriff Heimweh zunächst in der Schweiz 1651 auftauchte und erst während der Romantik im 19. Jahrhundert in andere deutschsprachige Länder gelangt sei. Jedoch sei das Äquivalent zu Heimweh in vielen anderen Sprachen die Nostalgie. Es gibt ebenfalls Begriffe wie „Saudade“ im Portugiesischen und das Wort „Natsukashii“ im Japanischen, die eine genaue Übersetzung erschweren und Heimweh & Fernweh in sich vereinen würden, wie eine Teilnehmerin berichtete.

Die Beiträge waren so unterschiedlich wie die Sprachen selbst: Da wurden Liebeserklärungen in Englisch ans Reisen gemacht; die damalige einsame Situation in Deutschland auf Georgisch oder Russisch versucht zu bewältigen; Bilder der alten Heimat auf Kurdisch in Erinnerung gerufen. Ebenfalls hatten andere TeilnehmerInnen Fernweh nach Portugal oder nach England; sehnten sich gar nach einem politisch idealistischen Land; empfanden nach der vorigen Erfahrung des Heimwehs nach Deutschland plötzlich Fernweh nach Japan. Die Zerrissenheit zwischen Heimweh & Fernweh wurde auf Französisch und Deutsch hinterfragt; es wurde sogar eine Suche nach dem nie empfundenen Heimweh gestartet.

Gewonnen hat am Ende jedoch Yuliana Nikolova. Sie präsentierte ihr Lied so emotionsgeladen, dass sie den Tränen nahe war und auch ihren Schmerz und ihre Trauer zu der alten Heimat darin verarbeitete. Die Zuschauer stimmten per Stimmzettel mehrheitlich für sie ab.

Yuliana Nikolova durfte somit auch das Thema für die nächste POETRYpolis aussuchen. Sie  wählte das Thema „Ironie“. Wir sind gespannt, welche Vorträge uns das nächste Mal präsentiert werden. Bei einem Glas Wein konnte man dann noch den Abend ausklingen lassen und somit ging auch die letzte Veranstaltung der 8. Bonner Woche der Kulturen zu Ende.

Wir freuen uns, dass dies so schön gelungen ist und unser Nikolaustag lyrisch bereichert wurde.

 

Und hier ein paar Impressionen des Abends

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