“Auf der Flucht – Herzlich Willkommen?!”

2. Dezember 2014 | Kategorie: Artikel

Ein Bericht von Marcel Sommer

Die Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt der Bonner SPD lud am 25.11.2014 um 19 Uhr zu einer Versammlung im MIGRApolis – Haus der Vielfalt ein. Zu dem Thema „Auf der Flucht – Herzlich Willkommen?!“ diskutierten vier eingeladene Gäste aus ihren unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen. Unter den Personen waren Felix von Grünberg, der Mitglied im Landtag NRW ist, Carmen Martinez-Valdes, die Geschäftsstellenleiterin vom AsA (Ausbildung statt Abschiebung e.V.), Coletta Manemann als Integrationsbeauftragte der Stadt Bonn und Golalei Mamozei, die Mitglied im Rat der Stadt Bonn ist. Daniel Schreiner moderierte die Veranstaltung.

Den Anfang machte Golalei Mamozei, die selbst Ende der 80er aus Afghanistan flüchten musste und mit 15 Jahren nach Deutschland gelang. Sie erzählte von ihren traumatischen Erlebnissen, an denen sie heute noch leide. Später begann sie ein Studium der Betriebswirtschaftslehre und nannte den Zugang zur Bildung für Flüchtlinge eine wichtige Integrationsmaßnahme. Daraufhin erörterte Coletta Manemann die unterschiedlichen Ausgangssituationen und Ursachen von Flüchtlingen. Laut Manemann stellen syrische Flüchtlinge aufgrund der humanitären Katastrophe im Heimatland zurzeit eine Ausnahme in der Anerkennungsquote für Asylrecht dar, die ansonsten sehr gering sei. Zusätzlich zu den bis zu 1000 neuen Asylbewerbern rechne man mit weiteren Syrern und ihren Familien bis Ende Dezember.

Carmen Martinez-Valdes vom AsA e.V. wurde insbesondere zu jungen Flüchtlingen zwischen 14 und 27 Jahren befragt, von denen 50 % unbegleitet hier seien. Sie sagte, dass insbesondere der Wunsch deutsch zu lernen, nicht nur Sprachprobleme verringere, sondern den Flüchtlingen auch einen strukturierten Alltag verleihe. Sie forderte außerdem mehr Bedarf auf der Bildungs- und Beratungsebene, da der Zugang zur Bildung oftmals mit unterschiedlichen Wartezeiten verknüpft sei und insbesondere Jugendlichen über 18 Jahren nur ein niedriges Bildungsangebot zur Verfügung stehe. Felix von Grünberg ergänzte dazu, dass Jugendliche bis 18 Jahre in der Ausbildungszeit das Recht hätten, in Deutschland zu bleiben, ebenso wie ihre Familienangehörigen. Dabei laste jedoch ein sehr hoher Druck auf den Jugendlichen, da die Situation der Familie von ihrer Integrationsleistung abhinge.

Felix von Grünberg kritisierte zudem die Zusammenarbeit zwischen Bund, Land und Kommunen. Er erklärte, dass die Kommunen für die Finanzierung des Asyls zuständig seien und die Länder diese mit unterschiedlichen Quoten mitfinanzieren würden (in NRW mit 25%). Er forderte die Abschaffung dieser Regelung und appellierte an den Bund, die Verantwortung für die Finanzierung zu übernehmen. Ebenso sei das immer noch mangelhafte Asylverfahren auf der Europäischen Ebene unzureichend. Alle Länder in Europa müssten Verantwortung übernehmen und ausreichend Asylrecht gewähren. Von den derzeit 45 Millionen Flüchtlingen seien davon nur 400000 in Europa.

Die abschließende Frage stellte Daniel Schreiner an alle vier Beteiligten, wie Deutschland insgesamt auf das Thema Flüchtlinge reagiere. Dabei wurde bei allen vier Teilnehmern deutlich, dass es eine hohe Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung für Flüchtlinge gebe, diese jedoch oftmals strukturelle Schwierigkeiten mit sich ziehe. So erwähnte Frau Manemann beispielsweise, dass insbesondere qualifizierte Hilfskräfte und dezentralisierter, erschwinglicher Wohnraum für Flüchtlinge wichtig seien. Jedoch stelle hier die Koordination eine große Herausforderung dar. Zugleich dürfe man, laut den Befragten, auch nicht die ebenfalls große Abneigung und den Rassismus in der Bevölkerung gegen Flüchtlinge vergessen. Dieser bestehe nicht nur in Deutschland, sondern wachse zudem vor allem in ganz Europa. Wichtig sei, so Grünberg, Verantwortung für die Konflikte in einer globalisierten Welt zu übernehmen, die heute jeden betreffen.

Abgerundet wurde die Podiumsdiskussion mit einer Musikdarbietung von Baryton Lion aus Guinea.

 

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