Besuch im ZwischenRaum

17. Juli 2014 | Kategorie: Artikel

Ein leerstehender Kiosk vor dem Geographischen Institut der Universität Bonn wird zum ZwischenRaum – zum Ort der Begegnung, Diskussion und Kreativität zum Thema Migration, Flucht, Grenzen und Grenzüberwindung.

Ein Bericht von Kerstin Siegburg und Julius Darting

Dr. Benjamin Etzold, Dozent am GIUB, vor dem ZwischenRaum Foto: Dr. Hidir Ҫelik

Benjamin Etzold, Dozent am GIUB, vor dem Zwischenraum-Kiosk, Foto: Dr. Hidir Ҫelik

Auf der Theke liegen Eddings, Pinseln und Farben. Auf das Schiebefenster hat jemand “Wir hier drinnen, Ihr da draußen – Wir hier draußen, ihr da drinnen” geschrieben. Das Innere ist leer geräumt. Nur einige Stapel zusammengebundener Bücher – aussortierte Wälzer der Bibliothek – türmen sich auf dem Boden und bieten Abstellfläche. An den Wänden hängen Fotos und die weiße Tapete wird nach und nach beschrieben. Dieser Kiosk ist anders. Hier gibt es keine Schokoriegel oder Klatschzeitschriften. Stattdessen: grenzen- und kostenlose Denkanstöße.

Der seit Jahren leerstehende Kiosk an der Meckenheimer Allee wurde in dieser Woche durch eine Initiative des Geographischen Instituts der Universität Bonn (GIUB) wieder zum Leben erweckt. Anlass war eine Exkursion nach Nordmarokko, die von Benjamin Etzold, Dozent am GIUB, sowie Weitblick-Mitglied Felix Hewel organisiert wurden und durch die Studierende der Geographie die Möglichkeit hatten, sich nicht nur theoretisch mit Migrationsprozessen aus Subsahara-Afrika nach Europa auseinanderzusetzen, sondern die marokkanischen Städte Rabat, Tangar, als auch die spanische Exclave Ceuta zu besuchen und mit den Betroffenen vor Ort in Kontakt zu treten. Vor allem die Grenzsicherungspraxis an den Rändern der Europäischen Union wurde thematisiert.

Das dies in den Köpfen der Studierenden hängen geblieben ist, sieht man dem Kiosk schon von weitem an: der Ausschnitt einer Weltkarte schmückt die Vorderseite des kleinen Hauses und macht deutlich, wo die Außengrenzen Europas liegen. Das Schengengebiet ist im Gegensatz zum Rest blau hervorgehoben  und verdeutlicht, wo die Mobilität der Menschen aus Afrika allzu oft durch Zäune, Stacheldraht und Sicherheitspersonal ein Ende findet.

Im Gegensatz dazu soll der ehemalige Kiosk ein Begegnungsraum sein, in dem Menschen zusammen kommen, diskutieren, Filme schauen und an der Gestaltung und weiteren Nutzung partizipieren können. Im offenen Seminar durften die Studierenden ihre Eindrücke und Ansichten einmal anders zum Ausdruck bringen, indem sie mit Farbe und Edding Sprüche, Zitate und Schlagworte, sowie mit Kleister Bilder ausdrucksstarker Szenen an den Wänden hinterließen, die zum Nachdenken anregen und Anstoß zur Diskussion bieten. Die Begriffe verdeutlichen dabei Gegensätze zwischen Bewegung und Stillstand, Hoffnung und Verzweiflung. Selbst die Fensterscheibe wird zu einer Allegorie des drinnen und draußen, der Zugehörigkeit und der Ausgrenzung, bei der das Gegenüber zwar sichtbar aber dennoch getrennt von einem selbst ist.

Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht.

Der ZwischenRaum befindet sich in der Wolfgang-Paul Allee gegenüber dem Geografischen Institut.

Ansprechpartner: Dr. Benjamin Etzold, etzold@guib.uni-bonn.de, Felix Hewel, felixhewel@uni-bonn.de

Ein Kommentar auf "Besuch im ZwischenRaum"

  1. Das Projekt finde ich ganz toll!! Es wäre doch eine wunderbare Sache, ZwischenRäume als Begegnungs- und Diskussionsräume zum Thema Migration und Flucht auch in anderen Städten ins Leben zu rufen und damit Grenzen zu überwinden. Verlassene Kioske und kreative Studenten gibt es ja genug.

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