Der Imker – Filmpreview und Podiumsdiskussion mit Dr. Hidir Çelik

29. Januar 2014 | Kategorie: Artikel, Leitartikel
Am 28.01.2014 fand im Rheinischen Landesmuseum eine Filmpreview des Dokumentarfilms “Der Imker” im Beisein des Regisseurs Mano Kahlil statt. Im Anschluss  an den Film wurde eine Podiusmdiskussion geführt, die sich mit zentralen Themen des Films auseinandersetzte. Dr. Hidir  Çelik (Vorsitzender des Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V./ Leiter der Evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit des Ev. Kirchenkreises Bonn) nahm als Gastkomentator an der Diskussion teil.  Einen ausführlichen Bericht dazu lesen sie hier.

 „Kurden verkaufen doch Kebab, wenn sie hier erfolgreich sind“

Von Sonja Stenzel

Im Rheinischen Landesmuseum in Bonn wurde am Dienstag, dem 28. Januar 2014, der Film „Der Imker“ in Anwesenheit des Regisseurs Mano Khalil mit anschließender Podiumsdiskussion gezeigt. Der Dokumentarfilm verfolgt 5 Jahre lang die Geschichte des Kurden Ibrahim Gezer aus der Türkei, der als politisch Verfolgter seine Familie verlassen musste und alleine in die Schweiz flüchtete.

Der Imker-Bild

Özlen Esen, n.n., Dr. Hidir Celik, Mano Khalil,
Dieter Kappe, Frieder Krups (v. l. n. r.)

Dort versucht er, seiner Berufung, der Imkerei, nachzugehen. Dabei stößt er auf vielerlei Hürden und muss sich an ein Leben ohne Geld und Familie gewöhnen, während er um seine in der Türkei zurück gebliebenen Kinder bangt. Während er die Imkerei in der Türkei als Beruf ausübte, wird sie in der Schweiz als „Hobby“ abgeschrieben, wodurch er zusätzlich einer anderen Verdiensttätigkeit nachkommen muss, die die Zeit für seine Leidenschaft stark einschränkt. Trotz der begrenzten Zeit und der Ungewissheit um sich und seine Familie, findet er in seinen vielen tiefen Schweizer Freundschaften, der Natur und seinen Bienen immer wieder Trost.

Der Film zeigt Ibrahim Gezer mit seinen Leiden und Freuden als Imker, Naturliebhaber und Familienmenschen – als Individuum, nicht als Flüchtling. Dies sogar so gut, dass er selbst nach Abschluss der Dreharbeiten behauptet haben soll, der Film habe ihn seinen ebenfalls geflohenen Kindern näher gebracht, die ihn danach ebenfalls als Opfer der Umstände sehen konnten.

In der nachfolgenden Diskussion erzählt Regisseur Khalil von den Dreharbeiten mit Ibrahim Gezer, wobei deutlich wird, dass der Film auf dessen Wunsch so realitätsnah wie möglich wurde. Durch das gelungene Ergebnis könne Ibrahim Gezer nach eigener Aussage nach seinem Tod weiterleben.

Neben Regisseur Khalil und Filmverleih „BraveHearts International“, vertreten durch Moderator Frieder Krups, nahmen an der Diskussion mit Dr. Hidir Çelik (Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit), Özlen Esen (Kölner Flüchtlingsrat, Beratungsstelle Bonn) und Dieter Kappe (UNO-Flüchtlingshilfe) auch drei Repräsentanten Bonner Flüchtlingsorganisationen teil. Die drei Vereine setzen sich allesamt mit ihren Angeboten der Beratung und gesellschaftlichen Bildungsarbeit für die Integration und ein würdiges Leben von Flüchtlingen ein. Denn, so macht der Film deutlich, „Menschen brauchen Menschen“, wie Dr. Çelik zusammenfasst. Das Bild vom Flüchtling sei in der Gesellschaft oft vorurteilsbelastet. Die Bemerkung Khalils darüber, wieso er zunächst auf Ibrahim Gezer, den Imker, aufmerksam wurde, macht die Verallgemeinerung bewusst: „Kurden verkaufen doch Kebab, wenn sie hier erfolgreich sind“. Der fertige Film zeige ein echteres Bild, den Flüchtling als Menschen, darüber sind sich in der Diskussion alle einig. Wo man schwerpunktmäßig ansetzen müsse, um die Situation für diese Menschen in Deutschland zu verbessern – politisch oder menschlich – bleibt in der Diskussion dagegen unbeantwortet.

Weitere Informationen zum Film finden sie hier.

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