Die Früchte am Ende des Zweiges – Susanne Rocholl zu Gast bei der 8. Bonner Woche der Kulturen

5. Dezember 2014 | Kategorie: Artikel
5_8. BWK Susanne Rocholl 1.12.2014 (2)

Dr. Hidir Celik begrüßt Susanne Rocholl, Foto: Marcel Sommer

Ein Bericht von Marcel Sommer

Mit ihrem Buch „Die Früchte am Ende des Zweiges“ erzählt die iranisch-deutsche Autorin Susanne Rocholl die Geschichte einer Iranerin, in der sich zwei unterschiedliche Länder vereinen: der Iran und Deutschland. Zwei unterschiedliche Gesellschaften mit eigenen Traditionen und kulturellen Prozessen, die Nasrin, die Protagonistin des Romans, in ihrer Person zu vereinen versucht.

Susanne Rocholl ist in Deutschland aufgewachsen, jedoch mit einem Iraner verheiratet und hat deshalb schon oft ihre Verwandten im Iran besucht. Bereits vor der Buchpräsentation bemerkte sie, dass das in den Nachrichten erzeugte Bild des Irans nicht der Wahrheit entspreche und erzählte von den persönlichen Erfahrungen während ihrer Aufenthalte. Susanne Rocholl sagte, dass die meisten iranischen Bekannten oftmals in ihrer Heimat glücklicher als in Deutschland seien. Den Gründen dafür nachzugehen – dies sei der Aufhänger für ihr Buch gewesen.

Die Autorin erwähnte später, dass die Geschichte fiktiv geschrieben sei, jedoch ihre iranischen Freund- und Bekanntschaften in den Charakteren des Buchs verschmelzen würden. Die Hauptfigur in ihrem Roman heißt Nasrin und kommt aus einer Bauernfamilie im Norden des Irans. Bei ihrer Geburt verliert sie ihren Zwillingsbruder und fühlt sich aufgrund dessen ihr ganzes Leben in der Verantwortung, diesen zu ersetzen, um ihre Eltern stolz zu machen. So möchte Nasrin Karriere machen und sieht sich kurz nach der Islamischen Revolution 1979 gezwungen, ihr Land zu verlassen und geht folglich nach Deutschland. Dort wird sie sehr erfolgreich, hat jedoch teils Probleme ihre traditionellen Werte und ihr Familienleben mit ihrem Beruf in Einklang zu bringen. Ihre jüngere Schwester Latife kommt ebenfalls nach Deutschland. Allerdings hat sie Schwierigkeiten sich in Deutschland zurecht zu finden, spricht die Sprache nicht und geht lediglich der Tätigkeit nach, auf die Kinder ihrer Schwester aufzupassen. Damit steht sie in ständiger Abhängigkeit zu ihrer erfolgreichen Schwester und wird von Schuldgefühlen heimgesucht.

„Der Roman“, so Susanne Rocholl „findet auf drei Ebenen statt. Auf der Ebene der Erwachsenen, der Ebene der Kinder und einer Ebene eines Antagonisten.“  Dieser Antagonist stellt eine Art Gegenspieler dar, der Nasrin immer wieder dazu zwingt, ihr Leben zu reflektieren.

Während des Abends las die Autorin insgesamt sechs Abschnitte aus ihrem Buch vor.

Im ersten Abschnitt handelt es sich um ein Gespräch im Iran zwischen Nasrin und ihrem Vater. Dieses geht über ihren Ehemann Hendrik und die Diskrepanz ihrer Ehe, da sie in Deutschland als Ehepaar gelten, was im Iran nicht der Fall ist. Dazu müsste Hendrik erst zum Islam konvertieren, damit beide nach islamischem Recht die Ehe schließen könnten. Auch berücksichtigt Susanne Rocholl in diesem Abschnitt die Sprache, die im Iran eher formell und distanzierter zwischen Tochter und Vater sei.

Der nächste Abschnitt macht einen Zeitsprung von zehn Jahren. Nasrin befindet sich in Deutschland und ihr Vater ist zwei Jahre zuvor gestorben. Sie macht sich von nun an mehr Gedanken über ihre Zeit. Der Abschnitt zeigt die wichtige Bindung zu ihrem Vater und somit auch zu ihrer Heimat.

Im nächsten vorgetragenen Abschnitt berichtet die Autorin über die kleine Schwester Latife, die sich Vorwürfe macht von ihrer Schwester abhängig zu sein und einen Asylantrag in Deutschland stellt. Dadurch kann sie keiner anderen Tätigkeit nachgehen, als auf die Kinder von Nasrin und Hendrik aufzupassen. Diese Arbeit übt sie vor allem aus, weil Nasrin ihre Karriere weiter voranbringen möchte, wie der nächste Abschnitt zeigt. In einem Gespräch mit Hendrik gesteht sie ihm, einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben zu haben und somit oft im Ausland arbeiten zu müssen. Der Dialog endet im Streit, da Hendrik sagt, dass sie die Familie hinten anstelle und Latife die Kinder nicht alleine erziehen könne.

Susanne Rocholl wählte als vorletzten Teil ihrer Lesung eine Szene aus, die eine Annäherung von Latife zu einem iranischen Mann darstellt, in den sie sich verliebt hat. Laut Susanne Rocholl sei diese Szene charakteristisch für eine höfliche und schüchterne Annäherung zweier gebildeter Iraner. Latife verwickelt sich vor Aufregung in Widersprüche, der Mann den sie liebt weckt in ihr Heimatgefühle und lädt sie zurückhaltend zum Essen ein.

Durch die Wahl ihres letzten Abschnitts, schaffte die Autorin, durch ein offen gebliebenes Ende, reichlich Spannung unter den Zuhörern zum Ende ihrer Lesung. Denn Nasrin erreicht ihre Schwester nicht auf dem Telefon, als plötzlich Hendrik im Hotel erscheint und Nasrin gesteht, dass etwas mit ihrer Schwester passiert sei.

Im Anschluss signierte die Autorin jedes gekaufte Buch und diskutierte mit den Zuhörern über kulturelle Merkmale des Irans und Deutschlands. Wer an der Geschichte von Nasrin und Latife interessiert ist, sollte sich das Buch kaufen!

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