Die lebende Bibliothek – Im Rahmen der 8. Bonner Woche der Kulturen

9. Dezember 2014 | Kategorie: Artikel

Ein Bericht von Aanchel Kapoor

Im Rahmen der 8. Bonner Woche der Kulturen wurde am 05.12.2014, im Haus Mondial des Bonner Caritasverbands, eine Bibliothek ins Leben gerufen. Und zwar im wörtlichen Sinne: Hinter Buchtiteln wie “Ich passe in keine Schublade” oder “Mongos in der Mongolei” stecken vierzehn Menschen, die Erfahrungen, Entscheidungen und Entwürfe ihres Lebens offen teilen wollen. Ziel des Projektes des Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V. ist es durch Begegnung und Austausch Vorurteile zu entkräften: “Gerade ein offener und unbefangener Umgang zwischen unterschiedlichsten Menschen fördert Verständnis und Akzeptanz füreinander und bleibt nicht bei den Unterschieden in unserer vielfältigen Gesellschaft hängen”, (caritas).

Wie in jeder Bibliothek suchten die Interessenten sich ein Buch aus dem Verzeichnis aus, wurden über die Nutzungsbedingungen aufgeklärt und erhielten schließlich einen Leserausweis. Die neugierigen Leser_innen kamen aus unterschiedlicher Motivation. Einige suchten Antworten auf ganz bestimmte Fragen. Andere kamen, um sich von dem ungewöhnlichen Konzept bereichern zu lassen. Damian hat vor allem das besondere Format zur lebenden Bibliothek gelockt. Es sei ein umgekehrter Weg, es widerspreche der Flüchtigkeit an Verfügbarkeit von Informationen in unserer heutigen Gesellschaft. Er schätzt die persönliche Runde, die doch gleichzeitig eine Teilöffentlichkeit repräsentiert.

Kennzeichnend für die Vieraugengespräche war vor allem eine wechselseitige Dynamik. Buch und Leser lernten sich kennen, sprachen über Vorurteile oder diskutierten über Gott und die Welt. Eine Unterhaltung über Gott bei einem Kapuziner-Mönch war keine große Überraschung. Doch Facebook, das Studium und ein Feierabend Bier waren beim sympathischen Mönch genauso Thema. Bruder Stefan ist nicht nur ein christlicher Mönch, sondern auch Student, Freund, Familiensohn, ehemaliger Krankenpfleger und jemand der sich für andere Religionen, sowie virtuelle Netzwerke begeistern kann. Hinter dem Buchtitel “Deutsche Muslima, hier daheim, jut is!” steckt Sabua M., eine Muslima, eine Deutsche, eine Streetworkerin, ursprünglich aus Marokko, aufgewachsen im Rheinland und politisch aktiv in Bonn Tannenbusch. Ein Leser will von ihr wissen, was er als Einzelner tun kann, um den Vorurteilen gegen Muslimen in Deutschland entgegenzuwirken. Sabua M. findet seine offene Einstellung sei schon unbezahlbar.

Vorurteile sind eine menschliche Eigenschaft und Teil unserer Entwicklung. Nur wer sich aktiv mit Wahrnehmungs- und Urteilsverzerrungen auseinandersetzt kann Vorurteile abbauen. Die lebende Bibliothek bot eine spannende Plattform, die Stereotype auf eine lebendige hemmungslose Weise zugänglich gemacht hat.

 

 

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