Erkenntnis, Schatten und Duft von Pfirsich – „Bonner Ausblicke“ am 22. Januar 2014 mit Wolfgang Kubin

10. Februar 2014 | Kategorie: Artikel

Am 22. Januar war Wolfgang Kubin in den „Bonner Ausblicken“ zu Gast. Wolfgang Kubin ist sowohl Lyriker als auch Erzähler und nicht zuletzt literarischer Übersetzer aus dem Chinesischen. Wolfgang Kubin hat eine lange Liste von Büchern sowohl als Autor als auch als Übersetzer in zahlreichen Verlagen veröffentlicht. In seinem Brotberuf ist er Sinologe, und da er fast das gesamte Jahr über in China doziert, war sein Besuch eine rare Gelegenheit, ihn hier  in Deutschland zu erleben.


 

Bericht von Varvara Stegarescu

140122_rmg_Kubin_Wolfgang_08

Wolfgang Kubin, Foto: Rainer Maria Gassen

„Wenn wir Alles erkennen, dann erblinden wir. Deshalb wollen wir nicht Alles erkennen“, so formuliert Wolfgang Kubin – Sinologe, Schriftsteller und Übersetzer, seine philosophischen Erkenntnisse. Anlass zu philosophieren, Poesie zu hören und sich über die chinesische Dichtung auszutauschen bot die Veranstaltung „Bonner Ausblicke“ vom 22. Januar 2014, organisiert und moderiert von Rainer Maria Gassen.

Wolfgang Kubin, der Ehrengast dieser Lesung, beschrieb an diesem Abend seinen persönlichen literarischen Wanderweg – „Das Schreiben“, sagte der Dichter, „sei ein Weg des Wanderers. Wir sind unterwegs wenn wir schreiben“. Wolfgang Kubin geht diesen Weg jeden Tag, zwischen 3:00 und 5:00 Uhr morgens. Dabei werden die Wissenschaft, das Schreiben und die Übersetzung miteinander verbunden – weil die Eine das andere bedingt.

Bücher entstehen über viele Jahre, auch die Bücher von Wolfgang Kubin. An diesem Abend hatten die Gäste der Veranstaltung die Gelegenheit mehr über die chinesische Dichtung zu erfahren, „die eine Dichtung der Andeutung sei“, so Wolfgang Kubin.

140122_rmg_Kubin_Wolfgang_101

Volles MIGRApolis-Haus der Vielfalt, Foto: Rainer Maria Gassen

Der Dichter erläuterte, dass wenn es darum geht, Erkenntnis zu gewinnen, „dann sehen wir nur den Schatten. Und wir laufen den Schatten hinterher“. Man könne Nichts wissen, und das sei auch gut so – Zu viel Erkenntnis sei keine Erkenntnis. „Wenn wir Alles erkennen, dann erblinden wir“, so der Dichter. Traurig stellte Wolfgang Kubin in eine seiner Poesie folgendes fest: „Heute hat mich Nichts zu meiner Erblindung geführt.“

Eindrücke und Erinnerungen an China wurden während der Lesung erläutert: Skulpturen, Tempel, Seen, Duft von Pfirsich – wer verbindet im Westen solche Assoziationen mit China? Uns wird zumeist nur von Smog, Kommunismus und Überwachung berichtet. Und wer weiß schon im Westen, dass in China die Bücher mit Poesie zu Kunstanleihen geworden sind? Man erkennt wie viel Tiefe, Vielfältigkeit und  Neuheit so eine Veranstaltung anbieten kann.

140122_rmg_Kubin_Wolfgang_06

Wolfgang Kubin, Foto: Rainer Maria Gassen

Die Poesie von Wolfgang Kubin vermittelt Philosophie und regt zum Nachdenken an. Und wenn man nicht nachdenken möchte, dann lässt man sich einfach von der Schönheit der Sprache und den Erinnerungen verzaubern. Die Poesie von Wolfgang Kubin vermittelt Philosophie und regt zum Nachdenken an. Und wenn man nicht nachdenken möchte, dann lässt man sich einfach von der Schönheit der Sprache und den Erinnerungen verzaubern.

Seien auch Sie dabei, wenn wir uns nochmal an einem Abend der Poesie und ihren Schöpfern widmen werden! Jeden dritten Mittwoch im Monat, im MIGRApolis-Haus der Vielfalt mit Rainer Maria Gassen und seinen Gäste.

Schreibe einen Kommentar