„Künstlerin sein, ist die einfachste Sache der Welt. Man erkennt den Stand der Dinge, stellt sie dar und steht dazu.”

24. Februar 2014 | Kategorie: Artikel

Die Bonner Künstlerin Zsuzsi Rakosfalvy war am 19.02.2014 zu Gast bei unserer Lesungsreihe „Bonner Ausblicke”.  Sie entstammt der ungarischsprechenden Minderheit in Rumänien und ist sowohl bildende Künstlerin als auch Autorin kurzer Prosa. Während ihrer Lesung wurde sie von Thomas Dresemann und Sarah Ludes musikalisch begleitet. Einen Bericht über die Veranstaltung können Sie hier lesen.


von Jutta Reimann-Poigné

Künstlerin sein, ist die einfachste Sache der Welt. Man erkennt den Stand der Dinge, stellt sie dar und steht dazu.

Zsuzsi Rakosfalvy, Foto: Rainer Maria Gassen

Zsuzsi Rakosfalvy, Foto: Rainer Maria Gassen

Dieses Motto steht auf der Homepage der Bonner Künstlerin Zsuzsi Rakosfalvy, die am 19. Februar Gast der von Rainer Maria Gassen initiierten und moderierten Bonner Ausblicke im Bonner MIGRApolis-Haus der Vielfalt war.

Die im siebenbürgischen Klausenburg (Kolosvar) 1955 geborene Künstlerin entstammt der ungarischsprechenden Minderheit in Rumänien und siedelte 1982 nach Bonn über. In Deutschland setzte sie zunächst ihr Kunststudium an der Fachhochschule Köln fort, um 1990 die Künstlergruppe „Bastarts“ zu gründen.

Im Haus Migrapolis präsentierte sich Rakosfalvy jedoch einmal nicht als bildende Künstlerin, sondern sie las aus ihrem Buch  Geschichten für Halberwachsene (erschienen in einer der Editionen der Galerie Szalc, 14,90Euro). Das Buch beinhaltet fünf Geschichten, die mit Illustrationen der Künstlerin versehen sind. Adressaten der Texte sind nicht nur „Halberwachsene“, sondern auch alle diejenigen, die sich (noch) jung fühlen.

Dass die Geschichten – sie bewegen sich zwischen den Gattungen von Märchen und Fabel – nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch bereits Erwachsene ansprechen, veranschaulicht besonders die Geschichte „Der Kampfstier“. Der alte und invalide Kampfstier Corinth emigriert nach Deutschland, da er weiß, dass die Deutschen keine Stierkämpfe mögen, und so hofft er, dass sie Mitleid mit einem alten Kämpfer haben. Außerdem beherrscht er die deutsche Sprache, die er in jungen Jahren von seiner schönen deutschen Geliebten, einer Kuh, erlernt hat. In Bonn schreibt er sich an der Uni für Philosophie und Germanistik ein und trifft in der Cafeteria einen netten, jungen Studenten, der ihm eine schöne Wohnung bei seiner Tante Regine besorgt. Corinth kann dort sogar mietfrei wohnen, da der von ihm erbrachte Kompost gut für die Beete sei. Man merke: Nett sind die Bonner!

Aber nicht nur die Menschen sind großzügig, auch die Tiere sind es, so die Kuh Rosinante, aus deren Zitzen Honig, Rotwein, Bier und Kakao mit Sahne fließen. Was für eine schöne Schlaraffen-Welt!

Zwischen den charmanten Geschichten sorgten der Gitarrist Thomas Dresemann und die Sängerin Sarah Ludes mit selbst arrangierten Liedern etwa von John Lennon, Nancy Sinatra oder Ray Charles für kurzweilige Unterhaltung.

Thomas Dresemann & Sarah Ludes, Foto: Rainer Maria Gassen

Thomas Dresemann & Sarah Ludes, Foto: Rainer Maria Gassen

Gedanken sind unfassbare, sehr bunte Blätter. Zsuzsi Rakosfalvy

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