“Mama Illegal“: Ein Film, der so unglaublich erscheint, aber doch so nahe geht. 8. Bonner Woche der Kulturen

3. Dezember 2014 | Kategorie: Artikel

Ein Bericht von Marcel Sommer

“Mama Illegal” ist eine sehr bewegende Dokumentaraufnahme, die uns zeigt, dass bereits schwierige Schicksale durch die EU-Politik noch weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Die proklamierte universelle Freiheit der EU entspricht leider nicht immer den Tatsachen.

Der Film lässt uns an drei Lebensgeschichten teilnehmen, von Frauen, die als illegal gelten, weil sie keine Aufenthaltserlaubnis erhalten.

Herr Schneider, Direktor vom Caritas Bonn e.V., erweiterte die individuellen Probleme der Frauen um eine nationale und transnationale Ebene. Er sagte, dass durch die Emigration von Frauen die benötigten Arbeitskräfte im eigenen Land verloren gingen und mahnte vor einem dramatischen Arbeitsmarkt ohne Arbeitsrechte. In Bonn würden derzeit 4000 Menschen ohne Aufenthaltsstatus leben.

In dem Film geht es um das Leben drei junger Frauen, deren Geschichte in mehreren Zeitabschnitten erzählt wird. So zeigt er Bilder von der Abreise aus der Heimat, dem „neuen“ Leben und der Rückkehr zur Familie. Moldawien, das Heimatland der drei Frauen, ist das ärmste Land Europas mit einem durchschnittlichen Monatslohn von 100 Euro und 80 Prozent Arbeitslosigkeit auf dem Land.

Aurica, eine der Protagonistinnen im Film, putzt für Familien und hütet deren Kinder in Österreich – illegal. Sie erhält über sieben Jahre lang keine Aufenthaltsgenehmigung. Als sie zu ihrer Familie zurückkehrt, hat sie sich verändert und entfremdet, die Beziehung zu Ehemann und Kindern ist anders geworden. Nachdem sie ihre Kinder abermals alleine zurücklässt, folgen sie ihr nach Österreich. Das gleiche Schicksal widerfährt Raia, die in Italien putzen geht und davon spricht, dass sie sogar illegal für eine Richterin arbeite. Diese erlaube ihr nicht einmal zum Arzt zu gehen, wenn sie sich schwer krank fühlt. Auch ihre Beziehung zum Ehemann verändert sich sehr und ihre Kinder warten täglich auf ihre Ankunft. Natasa, deren Tätigkeitin Österreich unbekannt bleibt und deren Gesicht der Film nicht zu erkennen gibt, scheint sich schon ganz darauf eingestellt zu haben, nicht mehr nach Hause zu ihrer Tochter zurückzukehren. Selbst bei Erhalt eines Abschiebungsbescheids entscheidet sie, im Land zu bleiben.

Der Film beschreibt die einzelnen Geschichten der Frauen und hebt deren Verhältnisse zur Familie hervor. Dabei steht insbesondere die Beziehung zu den Kindern im Vordergrund. In einer Szene in einer Grundschule erfährt man im Film, dass die Emigration der Eltern aus den Dörfern von Moldawien eine Normalität darstellt. Sicherlich gibt es noch vielfach andere Gründe und Schicksale, als die der Arbeit, für das Verlassen des Heimatlandes, die im Film nicht dargestellt werden.

Nach dem Film wurden die Gäste noch zum World-Café eingeladen, wo sie an vier unterschiedlichen Thementischen diskutieren und sich unterhalten konnten. Die Tische behandelten die Themen: „Illegale“: Leben und Arbeiten als Unsichtbare; „Illegale“ Belastung oder Hilfe für Angehörige und Gesellschaft im Heimatland?; Wozu ausländische Pflegekräfte/ Haushaltshilfe? Die Bedeutung für die Betroffenen!; Sinnvolle Migrations- und Arbeitsmarktpolitik oder…weiter „Illegale“ als Lückenbüßer.

So tauschten sich die Teilnehmer beispielsweise am ersten Tisch darüber aus, dass illegale Arbeitsmigranten in sehr vielen Arbeitsbereichen eingesetzt würden, vor allem wo die Bereitschaft nationaler Arbeitnehmer nicht so hoch sei. Ebenfalls wurde bemängelt, dass qualifizierte Arbeiter aus ihren eigenen Ländern abgezogen würden und so im eigenen Land fehlten. Am nächsten Tisch wurde über die Belastung der Angehörigen gesprochen. Die Realitäten vom Heimatland und Zielland würden sich immer weiter entfernen und ließen eine ungleiche Situation in der Familie entstehen. Insbesondere die fehlende medizinische Versorgung im Zielland stieß auf Unverständnis.

Am Tisch, an dem über ausländische Pflegekräfte diskutiert wurde, kamen eher legale Beispiele von Arbeitsmigration ins Gespräch. Dabei wurde deutlich, dass insbesondere Pflegekräfte aus Polen über Agenturen mit einer Arbeitsgenehmigung für einige Monate nach Deutschland kämen und rund um die Uhr bei den Pflegebedürftigen blieben. Der Vorteil liege hier überwiegend bei den Bedürftigen, die viel günstiger eine individuelle, ganztägige Betreuung erhalten würden. Am letzten Tisch wurden gesellschaftliche Probleme thematisiert, wie das wachsende Wohlstandsgefälle, das die Anerkennung und soziale Eingliederung von illegalen Arbeitsmigranten erschwere. Dabei kritisierten die Teilnehmer vorwiegend das Geschäft der Schlepper, die hauptsächlich von der illegalen Migration profitieren würden.

Der Film hat sicherlich nicht alle Fragen klären können, aber beleuchtet Gegebenheiten, die in unserem direkten Umfeld geschehen. Man kann nur hoffen, dass die Solidarisierung mit sogenannten illegalen Migranten voranschreitet und dadurch auch die Politik Gesetze verabschiedet, die vor allem den Menschen in den Vordergrund rücken.

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