„Umwelt und Umweltbewusstsein im Alevitentum“

„Su gibi aziz ol – sei wie das Wasser, heilig und wertvoll“

Projekt „Umwelt und Umweltschutz im Alevitentum“ (Februar bis Dezember 2015)

Die unorthodoxe, sehr liberale Glaubens- und Kulturgemeinschaft der anatolischen Aleviten befindet sich – insbesondere in Deutschland – nach Zeiten der Angst, Verfolgung und des Versteckens in ihrem Herkunftsland in einem immer optimistischer werdenden Prozess der Selbstvergewisserung. Deshalb besteht unter vielen ihrer Angehörigen und insbesondere bei Vertreterinnen und Vertretern alevitischer Gemeinden und Kulturvereine auch ein großes Interesse an der Diskussion oder Wiederbelebung alevitischer Traditionen. Obwohl es im Alevitentum eine starke naturreligiöse bzw. pantheistische Tradition gibt, wurde die Rolle der Natur bzw. der Umwelt im Alevitentum dabei bisher nur vereinzelt in den Mittelpunkt gestellt. Es besteht allerdings Bedarf, die enge Beziehung zwischen Mensch und Natur, die dem Alevitentum zugeschrieben wird, neu zu beleben und die Praktizierung von Umweltschutz in alevitischen Gemeinden zu fördern. Gerade in Ballungsgebieten mit verhältnismäßig wenigen Möglichkeiten der Naturerfahrung, in denen Migranten aus der Türkei bevorzugt leben, ist die Umweltbildung aber eine besondere Herausforderung.

Obwohl das Alevitentum die Liebe zur Natur in Glauben und Lebensphilosophie verankert hat, ist die Naturverbundenheit der Aleviten heute nicht mehr so selbstverständlich wie einst in Anatolien. Durch Vertreibung, Migration und den mitunter abrupten Wechsel von ländlicher in zumeist städtische Regionen sind viele naturphilosophische Elemente des Alevitentums, insbesondere auch unter den Aleviten in der Diaspora, entweder in Vergessenheit geraten oder konnten nur teilweise aufrechterhalten werden. Eventuell – so eine unserer Thesen – bietet die alevitische Tradition mit ihrer starken Naturverbundenheit jedoch ein enormes Potenzial, umweltbewusstes Verhalten auch in einem modernen Lebensstil zu verankern.

Bei „Umwelt und Umweltschutz im Alevitentum“ geht es in einer qualitativen Begleitstudie zunächst darum, durch intensive Interviews mit Alevitinnen und Aleviten herauszufinden, ob und inwieweit die alevitische Philosophie der Liebe zur Natur noch bei Aleviten in Deutschland fortwirkt. Wir wollen Anhaltspunkte dafür finden, ob sie als solche empfunden wird und inwiefern sie sich ggf. im Alltag wiederspiegelt oder (etwa als umweltfreundliches Verhalten) leben lässt. Im Rahmen des Projektes werden zudem Workshops mit Vertreterinnen und Vertretern alevitischer Vereine angeboten, sowie eine Fachtagung mit Podiumsdiskussion im Rahmen der Bonner Buchmesse Migration 2015.

Das Projekt wird in Kooperation mit der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF) e.V. und der Evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit (EMFA) Bonn durchgeführt und gefördert durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen.

 

Projektleitung: Mika Wagner, M.A., Soziologin

wagner[a]bimev.de

 

Gefördert durch stiftung umwelt und entwicklung