Starke Frauen träumen die Mittsommernacht in den “Bonner Ausblicken” am 18.6.2014

26. Juni 2014 | Kategorie: Artikel

Heike van den Bergh, Irma Shiolashvili, Annakutty Valiamangalam und Ekaterine Khvedelidze gastieren in den „Bonner Ausblicken“.

Am Mittwoch, 18.06.2014, hat das MIGRApolis-Haus der Vielfalt in der Bonner Brüdergasse seinem Namen alle Ehre gemacht. Aus Deutschland, Georgien, Indien und nochmals Georgien haben vier Künstlerinnen es verstanden, das Publikum zu begeistern.

Heike van den Bergh, Irma Shiolashvili und Annakutty Valiamangalam sind drei Dichterinnen, deren Texte gleichermaßen tiefe Innerlichkeit und dennoch zupackende Anrede in sich vereinigen. Die nachgerade sehr unterschiedlichen Traditionen, aus denen diese Dichterinnen schöpfen, erlauben es ihnen, Klang und Gehalt in einer heute kaum noch zu beobachtenden Intensität zu vereinen.

Die deutsche Heike van den Bergh liest mit klarer und differenziert eingesetzter Stimme und versteht es, die in ihren Gedichten erschaffenen Gefühle stets nacherlebbar zu intonieren. Ihre Themen scheinen dem Alltag entnommen zu sein, doch spürt der aufmerksame Zuhörer, dass erst van den Berghs Wortkunst die filigrane Wirklichkeit der beschworenen Innerlichkeit lebendig werden lässt.

Irma Shiolashvili erlebte ihre Kindheit und Jugend in ihrer ehemaligen georgischen Heimat. Sie schreibt nach wie vor in ihrer georgischen Muttersprache und auch den Übersetzungen ins Deutsche ist stets anzumerken, dass Georgien keineswegs so ehemalig in ihr lebt, wie es beim ersten Hinhören erscheinen mag. Sie trägt mit sanfter Stimme ihre sehr lyrisch getragenen Gedichte vor. Wenn Irma Shiolashvili Kostproben ihrer Texte in georgischer Sprache vorträgt, vermeint der Zuhörer hin und wieder einen Schimmer in ihren Augen wahrzunehmen, der ihn der Echtheit der in den Gedichten so wehmütig wie gekonnt erschaffenen Emotionen versichert.

Annakutty Valiamangalam wurde im südwest-indischen Bundesstaat Kerala geboren. Sie studierte Germanistik in Indien und Deutschland und leitete als Germanistikprofessorin viele lange Jahre das Seminar für germanistische Philologie an der Universität Mumbai/Indien. Als Dichterin ist sie gleichermaßen in Indien wie in Deutschland eine hochgeschätzte und in ihrer Eigenständigkeit nicht zu überbietende Stimme. Der Vortrag ihrer Gedichte mutet an wie ein im besten Sinne verstandener leiser und doch höchst eindringlicher Gesang.

Alle drei Dichterinnen verstehen es mit ihren Gedichten – so unterschiedlich ihre Verskünste auch sein mögen – als eine geglückte Einheit das Publikum für sich und Ihre Poesie zu gewinnen. Der Dichte der Atmosphäre, die alle drei Dichterinnen schaffen, kann sich das Publikum zu keinem Zeitpunkt entziehen.

Die mit Irma Shiolashvili befreundete Konzertpianistin, Ekaterine Khvedelidze, war als Zuhörerin gekommen, doch ließ sie sich dankenswerterweise überreden, einige Kostproben ihres aktuellen Programms aus Kompositionen von Chopin und Skriabin zu spielen. Das im MIGRApolis-Haus zur Verfügung stehende Klavier wird ewig darauf warten müssen, noch einmal von so meisterhaft zu Werke gehenden Händen gespielt zu werden.

Das Publikum dankte den vier Künstlerinnen mit nicht enden wollendem Applaus für ihre großartigen Darbietungen. Viele hätten immerzu weiter gelauscht, doch war der Abend unversehens schon weit fortgeschritten.

gez. Krock

 

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