Migration und Armut – Cartoon-Ausstellung im MIGRApolis-Haus der Vielfalt eröffnet

5. November 2014 | Kategorie: Artikel

Ein Bericht von Aanchel Kapoor

Alp Gürhan Yalciner, ein 17-jähriger Bonner Gymnasiast, begeisterte mit seinen Cartoons bei der Ausstellungseröffnung im MIGRApolis – Haus der Vielfalt. Seit Sonntag, dem 26.Oktober können seine humorvollen Visualisierungen zu den Themen Armut und Migration bis Ende November in der Brüdergasse bestaunt werden.

“Ein Gefühl der Ohnmacht”

So beschreibt Gabriele Klingmüller, Bürgermeisterin der Stadt Bonn, das Phänomen Migration. Herr Yalciner gehe in seinen Werken mit bissigem Humor an die Themen Armut und Migration heran. Anknüpfend an den von Alp gezeichneten Abgrund, über den ein Mann mühelos hinwegspaziert, beschreibt Sie: Zu Migration gehören immer Verluste. Seien es sprachliche oder kulturelle Verluste, Sie tragen eine lange Nachwirkung mit sich. Migration ist einer der Faktoren, die materielle Armut begünstigen. Man sollte sich die Armut nicht vorstellen wie einen Schatten, denn einen Schatten wird man nicht los.

Die Armut loswerden. Das will auch der Verein für Gefährdetenhilfe. Der VFG unterstützt Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. “Unsere Aufgabe ist es über den von Alp Gürhan Yalciner gezeichneten Abgrund eine Leiter zu legen”, sagt Nelly Grunwald (Geschäftsführerin des VFG).

“Im Umgang mit den Schwächsten einer Gesellschaft zeigt sich deren wahres Gesicht”

Einen wissenschaftlichen Input lieferte Carolin Butterwegge bei der Eröffnung:

Migration, freiwillig oder erzwungen, bedeutet immer eine dauerhafte Verändeurng des Lebensmittelpunktes. In Deutschland hat 1/5 der Bevölkerung einen sogenannten Migrationshintergrund. Die  verschiedenen Gruppen (Arbeitsmigranten, Flüchtlinge oder papierlose Migranten) haben einen unterschiedlichen Grad der (politischen) Teilhabe. Das Armutsrisiko der Migrant_innen in Deutschland liegt bei 26 % (darin sind Asylsuchende nicht erfasst,  weil sie nicht zur Wohnbevölkerung gehören), 15% für Personen ohne sogenannten Migrationshintergrund.

“Es gibt nicht den einen Migranten oder die eine Migrantin.” Migrationshintergrund bedeute auch nicht immer gleich Armutsrisiko. Klar ist laut Carolin Butterwegge: In der Einwanderungsgesellschaft Deutschland besteht dringender Nachholbedarf an Integration!

Und der Künstler selbst?

Alp Gürhan Yalciner, der seit seinem 3. Lebensjahr zeichnet, erzählt, dass seine Bilder ganz unterschiedlich entstehen. Mal braucht er Tage und für manche Bilder sogar nur ein paar Stunden. Vor allem aber zeichnet er gerne lustige Sachen, sei es über alltägliches oder eben Themen wie Umwelt, Armut oder Migration. Mit seinen Cartoons, für die vor allem sein bissiger Humor kennzeichnend sind, möchte Alp Yalciner die Menschen auf diese Themen aufmerksam machen. Es sind wichtige Themen findet Alp. “Ich will die Menschen dazu bewegen sich mehr damit auseinanderzusetzen.” Auf die Frage, ob er ein Lieblingsbild habe, findet Alp nur schwer eine Antwort. “Das Bild, wo der Müll auf die Erde gekippt wird”, antwortet er dann doch souverän. Es hat ihn am meisten Zeit gekostet und man hat Mitleid mit der Erde.

Der junge Künstler träumt von einem eigenen Comicstudio. Doch erstmal will er nachdem Abi einige Monate frei nehmen. “Man muss auch mal entspannen können!”.

 

Die Ausstellung kann noch bis zum 28.11.2014, montags-freitags, von 10.00 bis 18.00 Uhr im MIGRApolis-Haus der Vielfalt, Brüdergasse 16-18, 53111 Bonn besucht werden.

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